Berühmte Besucher
am BG/BRG Wels Dr.-Schauer-Straße



20.11.2015: Profil-Kolumnist Peter Michael Lingens


Peter Michael Lingens

Auf Einladung von Prof. Alois Floimayr war der bekannte Profil-Kolumnist Peter Michael Lingens am 20. November 2015 zu Gast an unserer Schule um einen Vortrag zu halten und mit den Schülern zu diskutieren.


Quelle: www.profil.at (Bild: Walter Wobrazek)

Österreich, Europa und die Flüchtlingskrise


sowie die Terroranschläge von Paris: Zu diesen brennend aktuellen Themen nahm der Profil-Kolumnist und frühere Chefredakteur dieses politischen Magazins bei seinem Besuch am BG/BRG Wels Dr.-Schauer-Straße ausführlich und kompetent Stellung. Eingeladen von Professor Alois Floimayr, legte Lingens in zwei Durchgängen, zuerst für die Schülerinnen und Schüler der 4. und 5. Klassen, anschließend für die 6. – 8. Klassen seine Ansichten zu den komplizierten Vorgängen dar. Lingens, der auch G ründer und Herausgeber der Jugendzeitschrift Topic ist, formulierte dabei so, dass ihm die Jugendlichen problemlos folgen konnten.
Die Terrorakte von Paris seien eine Reaktion auf die Bombardements gegen den IS, meinte Lingens. Vor allem unter Angehörigen der 2. Generation der Zuwanderer gebe es hohe Arbeitslosigkeit, das Gefühl, zweitklassig zu sein. Der IS verspreche ihnen Anerkennung und Reichtum. Psychisch labile Menschen fühlten sich angesprochen.
Notwendig sei eine Besiegung des IS, da er gerade durch seine Erfolge anziehend wirke. Das sei aber nur mit Bodentruppen möglich. Mehr als die Europäer stünden hier die USA in der Verantwortung, da sie durch ihr Versagen im Irak den Aufstieg des IS und die gegenwärtige Misere herbeigeführt hätten. In erster Linie sollten beim Kampf gegen den IS aber einheimische Kämpfer der betroffenen Länder eingesetzt werden.
Anschläge in Österreich hält Lingens für eher unwahrscheinlich, dass Österreich militärisch nicht im Nahen Osten engagiert ist.
Wenn wir an unser eigenes Wohl denken, meinte Lingens, dann müssten wir alles tun, um die Flüchtlinge bestmöglich zu integrieren. Das wichtigste Mittel sei Sprachunterricht. Den 50-Punkte-Plan von Außenminister Kurz begrüßt Peter Michael Lingens.
Dass sich unter den Flüchtlingen Terroristen verstecken könnten, hält er für ziemlich unwahrscheinlich. Das wäre für Terroristen aus Syrien oder dem Irak der komplizierteste Weg nach Europa.
Mucksmäuschenstill wurde es im Saal, als Lingens erzählte, dass er seit Jahrzehnten in seiner Wohnung immer wieder Flüchtlinge (unter anderem aus Ungarn, Rumänien, Vietnam, Bosnien) aufgenommen habe. Es sei ja heutzutage auch mit keinem Risiko verbunden, im Unterschied zur NS-Zeit. Seine Mutter habe damals Juden in ihrer Wohnung versteckt und deshalb drei Jahre in Auschwitz leiden müssen. Sie habe überlebt.
Ein großes Lob gab es nach der Veranstaltung vom Referenten für das Schauergym: Bei keinem seiner bisherigen Besuche an Schulen habe er so gut vorbereitete und interessierte Schülerinnen und Schüler angetroffen, meinte Lingens im Gespräch mit Prof. Alois Floimayr.



Peter Michael Lingens am BG/BRG Wels Dr.-Schauer-Straße Peter Michael Lingens am BG/BRG Wels Dr.-Schauer-Straße Peter Michael Lingens am BG/BRG Wels Dr.-Schauer-Straße


Auf diesen Besuch nahm Peter Michael Lingens in seinem Artikel auf www.profil.at vom 28. November 2015 Bezug

(Quelle des nachstehenden Artikels: www.profil.at)

Peter Michael Lingens: Flüchtlinge hautnah


Erfahrungen aus ein paar Jahrzehnten persönlichen Umgangs mit einem angeblich kaum lösbaren Problem. Und gleichartige Erfahrungen einer Schule.

Unter den vielen Leuten, die derzeit über das „Flüchtlingsproblem“ fachsimpeln, gehöre ich zur Minderheit derer, die eine gewisse praktische Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingen haben. Seit ich eine eigene Wohnung besitze, habe ich dort zehn Exemplare dieser angeblich gefährlichen Spezies beherbergt. Mein jüngster Sohn hat sein Zimmer mit einem Rumänen, danach einem bosnischen Moslem geteilt.

Eine Übersicht über die angeblich so schwierige Integration dieser Flüchtlinge sieht folgendermaßen aus: Eine Vietnamesin wurde Telefonistin. Eine Rumänin blieb als Krankenschwester, ihr mittlerweile geschiedener Mann arbeitet als Journalist für rumänische Zeitungen, beider Sohn ist nach Rumänien zurückgekehrt. Das Schicksal einer Bosnierin mit zwei Kindern, die nur drei Monate bei mir war, ist mir unbekannt. Der bosnische Bub, der mit meinem Sohn aufgewachsen ist, ist mittlerweile Vater zweier Kinder und hat in Niederösterreich sein eigenes Haus gebaut, in dem er auch seinen bereits pensionierten Vater und seine Mutter beherbergt, nachdem sie vor 17 Jahren bei mir ausgezogen sind. Seine jüngere Schwester studiert Medizin. Er selbst ist Werkzeugmacher in einem Top-Unternehmen. Alle genannten Personen haben Österreich mehr eingebracht als gekostet.

Ich behaupte, dass diese positive Bilanz kein Zufall ist, sondern absehbar war: Es sind besonders fähige und initiative Menschen, die es riskieren, in einem fremden Land mit einer fremden Sprache eine neue Existenz zu wagen.

Insofern müssen einheimische Arbeitskräfte in der Tat ihre Konkurrenz fürchten: Sie sind des Öfteren besonders leistungsfähig und strengen sich fast immer mehr an.
Für Österreichs Wirtschaft ist das aber von großem Vorteil.

"Bei den aktuellen Flüchtlingen haben wir es mit Menschen der Extraklasse zu tun."

Jemandem, der behauptet, das alles gelte vielleicht für ungarische, vietnamesische oder bosnische Flüchtlinge – nicht aber für Flüchtlinge aus Syrien oder gar Afghanistan – halte ich entgegen, dass Syriens Genpool derselbe ist, dem wir in Europa Mathematik, Physik oder Astronomie verdanken. Darüber hinaus kostet die Flucht aus Syrien so viel Geld, dass der Betreffende schon innerhalb seiner Heimat wirtschaftlich besonders erfolgreich sein oder einem eher bildungsnahen Milieu entstammen muss.

Es gibt zwar auch die syrischen und irakischen Bauern, die aus grenznahen Gebieten in Lager in Jordanien oder im Libanon geflohen sind und jetzt zu uns weiter fliehen – aber ich weigere mich ungebildete Leute für „dumm“ zu halten, die es übers Meer und zu Fuß bis Österreich geschafft haben.

Was Flüchtlinge aus Afghanistan betrifft, war ich selbst sehr skeptisch. Bis ich ihnen auf Spaziergängen und bei ¬einem Deutschkurs begegnet bin: alle waren extrem höflich, alle konnten Englisch, manche sprachen drei, vier Sprachen, denn meist waren sie Monate, wenn nicht Jahre durch fremde Länder unterwegs.

Diese Leute für unbegabt zu halten, gestehe ich Österreichern zu, die sich zu Fuß von hier bis Indien durchschlagen, um dort eine Existenz zu begründen.

Ich behaupte: Bei den aktuellen Flüchtlingen haben wir es mit Menschen der Extraklasse zu tun, von denen das Land extrem profitieren kann.

Vorausgesetzt freilich, sie erhalten die Chance, rasch Deutsch zu lernen, sich beruflich rasch gemäß unseren Anforderungen zu qualifizieren und vor allem zu arbeiten. Und vorausgesetzt, die besonders vielen Jungen unter ihnen erzielen Schul- und Lehrabschlüsse oder können wie die Schwester „meines“ Bosniers studieren.

Dazu eine praktische Erfahrung: Vor zwei Wochen war ich in Wels an einem Gymnasium (BG/BRG Wels Dr. Schauerstraße), um mit Schülern der Oberstufe über das „Flüchtlingsproblem“ zu diskutieren: Ich habe selten intelligentere, eloquentere Diskutanten erlebt. Ein Drittel davon hat „Migrationshintergrund“ – von Bosnien bis Nigeria.

Es ist also offenkundig möglich, Migranten (Flüchtlinge) erstklassig auszubilden, wenn man sich darum bemüht. Was diese Schule offenbar in besonderem Ausmaß tut, denn zusammen mit ihren Lehrern hat ihr Direktor ein Konzept entwickelt, wie vorzugehen ist, wenn der Migrantenanteil von derzeit 50 Prozent in den ersten Klassen durch den Flüchtlingsstrom weiter ansteigt.

So will man unter anderem ältere Schüler mit Migrationshintergrund, die bereits gut Deutsch können, als „Tutoren“ für ihre jungen Mitschüler einsetzen. (Man hat das in der Vergangenheit schon einige Male mit Erfolg erprobt.) Gleichzeitig hält man angesichts eines Migranten-Anteils der Unterstufe von demnächst über 50 Prozent zusätzliche „Stützlehrer“ für unverzichtbar und hat diesbezüglich beim Landesschulrat um ein Zusatzbudget in der Höhe von 20.000 Euro im Jahr angesucht.

Der Landesschulrat musste das ablehnen: Die ihm auferlegte Sparpolitik ließ keine andere Entscheidung zu.

Ich erlaube mir, diese Sparpolitik für schwachsinnig zu halten. Und sehe in teuren Inseraten des Unterrichtsministeriums in Zeitungen eine Unverschämtheit.




16.01.2015: ORF Chefredakteur Fritz Dittlbacher





16.10.2014: Dr. Franz Fischler




Jugendarbeitslosigkeit – der Stoff, aus dem Revolutionen entstehen


Auf Einladung von Prof. Alois Floimayr war der frühere EU-Kommissar Franz Fischler am BG/BRG Wels Dr.-Schauer-Straße zu Gast. Vor den Schülern der siebten und achten Klassen informierte der gegenwärtige Präsident des Forums Alpbach in seinem Vortrag über die Arbeit eines EU-Kommissars, über die Entstehung eines Gesetzes auf EU-Ebene und die Ziele der EU für die nahe Zukunft.
An der anschließenden Diskussion beteiligten sich die Schüler sehr rege. Dr. Franz Fischler schaffte es immer, präzise und für Schüler verständlich die Fragen zu beantworten. So wollte eine Schülerin wissen, was man gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in zahlreichen EU-Ländern machen könne. Fischler trat dafür ein, diesem Problem höchste Aufmerksamkeit zu schenken. Denn er meinte, die Jugendarbeitslosigkeit sei ein Stoff, aus dem Revolutionen entstehen können. Aus der Sicht des ehemaligen EU-Kommissars sind die Übernahme des österreichischen Modells der dualen Lehrlingsausbildung sowie eine verschärfte Kontrolle des Schwarzmarktes geeignete Mittel, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Aber auch die Einbindung der Wirtschaft in verschiedene Maßnahmen sei unverzichtbar.
Ein anderer Schüler sah die Abhängigkeit der EU von den USA als Problem. Dem konnte sich Dr. Fischler nur anschließen und wünschte sich eine autonomere EU. Für TTIP sieht er in der derzeitigen Form wenig Chancen. Aus gegebenem Anlass wurde auch über ein gemeinsames EU-Heer diskutiert. Obwohl es derzeit große Widerstände dagegen gibt, glaubt Dr. Franz Fischler, dass dieses Thema wieder zur Sprache kommen wird. Das Hauptproblem der EU sei das Identitätsproblem. Viele Politiker verwenden die EU als Sündenbock, obwohl sie selbst für die Entscheidungen verantwortlich sind.
Das Läuten der Schulglocke beendete eine spannende Diskussion. Alle Schülerinnen und Schüler des BG/BRG Wels wussten es sehr zu schätzen, dass sie eine so angesehene und kompetente Persönlichkeit kennen lernen konnten.


Text von Melanie Hausleitner, Lorika Dalipi




16.01.2013: Gerhard Haderer



Gerhard Haderer am BG/BRG Wels Dr.-Schauer-Straße Gerhard Haderer am BG/BRG Wels Dr.-Schauer-Straße